Rezension bezieht sich auf: Tür an Tür mit einem anderen Leben: 350 neue Geschichten (Taschenbuch)
Der Autor Alexander Kluge ist ein großer Sammler. Nach “Chronik der Gefühle” und “Die Lücke die der Teufel lässt” erscheint nun dieser neue Geschichtenband mit 350 Geschichten. Einerseits ist Sammeln ist ein wichtiges Element dieses neuen Buches und andererseits die Tatsache, dass wir eigentlich in zwei Realitätsschichten leben. Die eine Realität mit Dingen, die wir glauben gar nicht verändern zu können und die zweite “Neben der Tür” mit einem anderen Leben, ist eigentlich jene Realitätsschicht, die die objektiven Möglichkeiten aufzeigt. Dieses andere Leben schwingt eigentlich immer mit. Es gibt immer Auswege, nichts ist wirklich ausweglos. Und der pessimistische Blick auf die aktuell bestehenden Verhältnisse, soll die Menschen nicht entmutigen, etwas anderes zu wollen. Im Gegenteil, man soll aus den Potentialen schöpfen. Die Möglichkeit “Wirklichkeit” ist immer präsent in diesen vielen Geschichten. In den neun Kapiteln geht es um die unterschiedlichsten Familien- und Liebesgeschichten und um wahnsinnig viel Militärgeschichte, auch teilweise antike Militärgeschichte.
Alexander Kluge erzählt die rätselhaftesten Momente innerhalb katastrophaler Lagen. Die Geschichten haben häufig ein Zentrum das nicht vernünftig, nicht rational ist. Es ist etwas Kairosartiges was den Erzähler anzieht. Es ergibt sich häufig ein anders Bild von der Welt und der Geschichte. Das kann man dann doch auch vernünftig nennen, aber der Autor schreibt es andern Kräften als der Vernunft zu. Es geht eigentlich darum, wie uralte Vorfälle sich in der Geschichte fortsetzen und nach vielen Generationen plötzlich wieder Wirkung entfalten, Der Sammler ist also nicht nur der Autor, sondern die ganze Geschichte sammelt und alles was sich ereignet hat wird konserviert und bei passender oder unpassender Gelegenheit wieder hervorgeholt. Nur ein wahrer Poet kann sich einer solchen Sache annehmen.
Die Geschichten sind nicht durch Vernunft abrufbar. Es bleibt ein sinnliches Element darin enthalten. Eine vermeintliche Protestenergie steckt dahinter, denn eigentlich darf alles nicht unglücklich auslaufen, wenn denn auch viele Geschichten eine Lösung offen lassen.
Kairos, eine antike Glücksidee, steckt im Kern vieler Geschichten, obwohl es einen “Philosophen des Glücks” seit dem Jahre Null nicht mehr gab. Deshalb muss man für solche Geschichten dankbar sein, weil in ihnen diese Glücksmomente auftauchen. Der Autor sucht ja immer wieder Umstände aus, wo es gut gegangen ist und diese Art von positivem Denken ist beeindruckend. Das heißt eben, jedes Ereignis hätte auch anders ablaufen können. Die Kräfte der Physik sind sehr viel schwächer als die Kräfte des Zufalls. Es geht immer um Möglichkeitsformen und um ein Möglichkeitsdenken.
Das Buch ist eigentlich ein seltsamer “Zwitter”. Einerseits spürt man die ´Theorie die dahinter steckt und man liest die Geschichte. Ein ständiges Pendeln zwischen “wirklich” und “unwirklich”. Es ist eine Verkettung von Dingen, die die Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten ausgemacht haben und zugleich durch die gekonnte Beschreibung von Feinwirkungen entsteht eine Art Erbauungsliteratur. Auf der einen Seite sieht der Autor mit klarem Blick, welch zum Teil katastrophale Geschichte hinter uns liegt und vielleicht auch vor uns liegt und dann zeigt er schließlich mit seiner Deutung der Dinge auf, das das Möglichkeitspotential welches Geschichte und auch Menschen haben, noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Ein Buch das optimistisch stimmt.
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Auf der Suche nach versteckten Glücksmomenten,
Der Autor Alexander Kluge ist ein großer Sammler. Nach “Chronik der Gefühle” und “Die Lücke die der Teufel lässt” erscheint nun dieser neue Geschichtenband mit 350 Geschichten. Einerseits ist Sammeln ist ein wichtiges Element dieses neuen Buches und andererseits die Tatsache, dass wir eigentlich in zwei Realitätsschichten leben. Die eine Realität mit Dingen, die wir glauben gar nicht verändern zu können und die zweite “Neben der Tür” mit einem anderen Leben, ist eigentlich jene Realitätsschicht, die die objektiven Möglichkeiten aufzeigt. Dieses andere Leben schwingt eigentlich immer mit. Es gibt immer Auswege, nichts ist wirklich ausweglos. Und der pessimistische Blick auf die aktuell bestehenden Verhältnisse, soll die Menschen nicht entmutigen, etwas anderes zu wollen. Im Gegenteil, man soll aus den Potentialen schöpfen. Die Möglichkeit “Wirklichkeit” ist immer präsent in diesen vielen Geschichten. In den neun Kapiteln geht es um die unterschiedlichsten Familien- und Liebesgeschichten und um wahnsinnig viel Militärgeschichte, auch teilweise antike Militärgeschichte.
Alexander Kluge erzählt die rätselhaftesten Momente innerhalb katastrophaler Lagen. Die Geschichten haben häufig ein Zentrum das nicht vernünftig, nicht rational ist. Es ist etwas Kairosartiges was den Erzähler anzieht. Es ergibt sich häufig ein anders Bild von der Welt und der Geschichte. Das kann man dann doch auch vernünftig nennen, aber der Autor schreibt es andern Kräften als der Vernunft zu. Es geht eigentlich darum, wie uralte Vorfälle sich in der Geschichte fortsetzen und nach vielen Generationen plötzlich wieder Wirkung entfalten, Der Sammler ist also nicht nur der Autor, sondern die ganze Geschichte sammelt und alles was sich ereignet hat wird konserviert und bei passender oder unpassender Gelegenheit wieder hervorgeholt. Nur ein wahrer Poet kann sich einer solchen Sache annehmen.
Die Geschichten sind nicht durch Vernunft abrufbar. Es bleibt ein sinnliches Element darin enthalten. Eine vermeintliche Protestenergie steckt dahinter, denn eigentlich darf alles nicht unglücklich auslaufen, wenn denn auch viele Geschichten eine Lösung offen lassen.
Kairos, eine antike Glücksidee, steckt im Kern vieler Geschichten, obwohl es einen “Philosophen des Glücks” seit dem Jahre Null nicht mehr gab. Deshalb muss man für solche Geschichten dankbar sein, weil in ihnen diese Glücksmomente auftauchen. Der Autor sucht ja immer wieder Umstände aus, wo es gut gegangen ist und diese Art von positivem Denken ist beeindruckend. Das heißt eben, jedes Ereignis hätte auch anders ablaufen können. Die Kräfte der Physik sind sehr viel schwächer als die Kräfte des Zufalls. Es geht immer um Möglichkeitsformen und um ein Möglichkeitsdenken.
Das Buch ist eigentlich ein seltsamer “Zwitter”. Einerseits spürt man die ´Theorie die dahinter steckt und man liest die Geschichte. Ein ständiges Pendeln zwischen “wirklich” und “unwirklich”. Es ist eine Verkettung von Dingen, die die Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten ausgemacht haben und zugleich durch die gekonnte Beschreibung von Feinwirkungen entsteht eine Art Erbauungsliteratur. Auf der einen Seite sieht der Autor mit klarem Blick, welch zum Teil katastrophale Geschichte hinter uns liegt und vielleicht auch vor uns liegt und dann zeigt er schließlich mit seiner Deutung der Dinge auf, das das Möglichkeitspotential welches Geschichte und auch Menschen haben, noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Ein Buch das optimistisch stimmt.
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